Selten bin ich nervös vor dem Fotografieren. Bekannte oder besondere Menschen bringen meinen Puls in der Regel nicht zum Überlaufen. Bei SCARY war das irgendwie anders. Stephan Mahlow hatte mir die Möglichkeit verschafft, diesen spannenden Menschen zu fotografieren, von dem ich im Vorhinein gar nicht wusste, dass es ihn gibt.

Im Vorfeld habe ich also recherchiert. Was macht der Mann? Womit verdient er sein Geld? Was hat der alles durchgemacht? Gibt es im Netz Anzeichen für Hobbys? Das sind so Sachen, die mich eigentlich interessieren, bevor ich jemanden fotografiere. Aggression, Mobbing….genau diese Dinge sind Thema von SCARY GUY (ja, es steht so in seinem Personalausweis). Auf YouTube gibt es einige Dokumentationen und Interviews über ihn. Ich wusste das ich nicht ganz so viel Zeit mit ihm haben werde und war darüberhinaus ein wenig aufgeregt, weil ich gar nicht wusste, wie und wo genau ich ihn fotografieren werde.

Stephan und ich haben uns vor einem Winninger Hotel getroffen, in welchem Scary mit seiner bezaubernden Ehefrau untergebracht war. In einem der Flure standen ein paar ältere Ledercouchgarnituren, auf denen wir Platz nahmen, um auf die Beiden zu warten. Hin und wieder gingen Gäste des Hotels an uns vorbei. Vornehmlich alles Menschen jenseits der 60.

Irgendwann kamen Scary und seine Ehefrau in die Lobby und begrüßten uns sehr herzlich. Dieses „herzliche Begrüßen“ war auf einer Seite auch sehr beklemmend. Ich kann gar nicht genau sagen warum. Scary grüßte mit einem sehr festen Händedruck und einem sehr direkten, intensiven Blick. Die Tattoos machen mich sicher nicht nervös. Ich mag Körperbemalung. Ich glaube es war dieser feste Blick und diese sehr tiefe Stimme, die mich ganz kurz aus der Bahn geworfen haben.
Scary stand in einer sehr bequemen Jogginghose vor mir, ein rosafarbenes Shirt und eine schwarze Jacke drüber.

Scary Guy

Wir blieben für die Fotos in der Lobby. Ich baute alles grob auf. Elinchrom Generator, Stativ, Blitzlampe. Ein bisschen hab ich Stephan dazu genötigt mir zu helfen, was er glaube ich aber ganz gerne macht, da er auch einen gewissen Fetisch hat was Technik angeht. Währenddessen kamen immer wieder ältere Damen und Herren an uns vorbei, die sämtlichst von Scary gegrüßt worden sind. Einige musterten ihn sehr skeptisch und konnten der Einladung auf eine Umarmung nicht folgen, manch andere lächelten ihn ganz nett an, wollten aber auch nicht umarmt werden. Scary spricht davon, dass er jeden Tag eine bestimmte Anzahl von Umarmungen braucht um glücklich zu sein. Alle Menschen brauchen diese Umarmungen…spannender Ansatz.

Scary Guy Portrait

Der Mann sieht einfach abgefahren aus. Die Bemalung, der Bart, sein Alter….der Mann ist ein Gesamtkunstwerk. Aber nicht nur die oberflächlichen Dinge machen ihn zum Gesamtkunstwerk, sondern auch sein Charakter. Die Fotos die Ihr oben seht, sind sämtlichst auf der alten Couch entstanden. Licht ist eben alles. Unten in der Galerie hab ich ein bisschen das Drumherum aufgenommen, da könnt Ihr das auch gut erkennen.