Es gibt Portraits, auf die hast du eigentlich keine Lust. So erging es mir ehrlicherweise, als ich von Alexandra Klöckner gefragt worden bin, ob ich im Rahmen unseres Podcasts den Autor Stefan Gemmel fotografieren möchte. Wer ist dieser Gemmel überhaupt dachte ich und schaute mich in der Suchmaschine um. „Stefan Gemmel“ gab ich in der Bildersuche ein, oder „Stefan Gemmel Portrait“ und fand mich auf einer Übersicht mit den Suchergebnissen wieder. Hm. Er schaut einmal aus einer Ruine mit seinem Kopf hervor, einmal sitzt er irgendwo in Berlin rum, ganz unspannender Kopf dachte ich. Auf den Bildern hat er ein Gesicht, was so gar nicht männlich wirkt und ich wusste gar nicht so recht, wie ich ihn überhaupt portraitieren sollte. Ich lehnte erst einmal ab, hatte zeitlich in dem Moment sowieso keine Chance. Vielleicht war auch meine Grundstimmung in diesen Tagen extrem schlecht. Ich kann es gar nicht so genau sagen.
Ein paar Tage später jedoch, kam Alexandra noch einmal auf mich zu und frug mich, ob ich Zeit hätte. Okay. Hatte ich. Und dieses Mal war dann auch irgendwie mein Ehrgeiz geweckt. Denn diese Bilder, die ich von Herrn Gemmel im Netz gefunden hatte, wollte ich besser machen. Intensiver.

Ursprünglich sollte die Aufnahme des Podcasts in der Buchhandlung Reuffel stattfinden, jedoch sind alle Lesungen aufgrund Corona abgesagt worden. Mittlerweile sind auch alle Läden geschlossen. So beschloss Alexandra, den Podcast mit Gemmel im TZK (Technologiezentrum Koblenz) aufzunehmen, ich könnte in einem Atemzug dort auch die Portraits von Gemmel machen. 1,5 Stunden vor Eintreffen von Gemmel war ich bereits vor Ort und schaute mir die Möglichkeiten an, welche ich hier mit Stefan Gemmel durchspielen könnte. Ich wusste weder wie viel Zeit ich eigentlich mit ihm habe und auf was er sich alles einlassen würde.

Ich habe also alles vorbereitet. Stefan Gemmel konnte kommen. Da fuhr dann Gemmel mit einem E-Mobil vor und wirkte dort bereits sehr aufgeschlossen. Ganz anders, wie die Bilder der Bildersuche ihn dastehen ließen.

Bereits nach der Begrüßung war klar: Der Kerl ist verdammt nett und das wird ein Leichtes ihn zu fotografieren. Maßgeblich hatten wir Bilder im Konferenzraum des TZK gemacht. Ich fand den holzfarbenen Hintergrund sehr schön und die gläserne Außenseite des Raumes lies auch noch Möglichkeiten zum Spielen offen.

Stefan Gemmel, Autor, 2020

Für das obige Bild musste ich aus dem Treppenhaus des TZK heraus fotografieren. Die Streben der Fensterfront dienten mir als Rahmung. Ich stand mit den Füßen auf der Treppenstufe und Gemmel musste genau dort stehen bleiben wo er stand. Ich hatte Alexandra angerufen und sie hat mich auf Lautsprecher geschaltet. So konnte ich immer kurz Anweisungen geben, ohne die Treppen rauf und runter hechten zu müssen. Das ging erstaunlich gut und schnell. Kurzer Blick auf die Kamera. Yes. Das ist es. Ich lief wieder hoch in den Konferenzraum und habe einen Stuhl direkt vor die Wand drapiert. Stefan Gemmel sollte sich darauf setzen. Genauso setzte ich hier wieder auf Alexandra, welche mit ihm sprechen sollte. Dies hatte bereits im Termin mit Manfred Gniffke gut funktioniert. Ich nutzte hier wieder einen Blitzkopf von Profoto und einem Beauty Dish mit Wabe. Das Licht steil von oben herab auf Gemmel gerichtet, machte dieses diese fade Wand so interessant, wie ich mir das vor meinem geistigen Auge vorgestellt habe. Während sich Stefan Gemmel und Alexandra unterhielten, war Stefan Gemmel mal ernst, mal lachend vorzufinden. Genau das brauche ich in solchen Momenten. So viele Facetten wie möglich.

Stefan Gemmel, Autor, 2020

Wir haben nicht lange fotografiert, dennoch reichte dies um einige unterschiedliche Facetten von Herrn Gemmel festzuhalten. Ich wünsche Herrn Gemmel in der Zukunft viel Erfolg.

Wer gerne einmal in dieses tolle Interview reinhören möchte, kann dies hier auf SPOTIFY tun: